Warum die Mutigen belohnt werden - 18.10.2025
Ich heisse Angela, bin 35 Jahre alt, single seit einer Ewigkeit, hoffnungslose Romantikerin, Weltenbummlerin, Taucherin, Freigeist. Und ich schreibe diesen Text für dich, wenn du spürst, dass da mehr sein muss. Für dich, wenn du leise darunter leidest, welche Verrücktheiten das Leben dir präsentiert. Für dich, wenn du vergessen hast, wie sich das Leben und die Lebendigkeit anfühlen.
Vor genau zwei Jahren habe ich mich dazu entschieden, dass es so mit meinem Leben nicht weitergehen kann. Mit 15 Jahren habe ich eine Ausbildung zur Bankkauffrau in der Schweiz begonnen. Über 17 Jahre war ich in verschiedenen Funktionen im Banking tätig. Die letzten 5 Jahre meines Arbeitslebens habe ich eine kleine Bankfiliale geführt. Ich war leistungsstark, strukturiert, erfolgreich, angepasst. Ich habe mich weitergebildet, geführt, organisiert, vernetzt, geliefert. Und dabei war ich mir irgendwie immer fremd in meinem eigenen Leben. Zu laut, zu sensibel, zu wild, zu tief, zu direkt, zu echt. Ich wollte dazugehören, erfolgreich sein, nach Aussen wirken – also habe ich mich angepasst. Aber das Glück, welches ich suchte? Das kam nicht.
Irgendwann habe ich gemerkt, wie sehr ich mich verausgabe. Ich war ausgelaugt und unerfüllt. Die Wochenenden waren nicht mehr da, um die Natur zu erleben und mich zu bewegen. Die Samstage waren da um alles Nötige an Haushaltsarbeiten zu erledigen - und so viele Sonntage habe ich auf dem Sofa oder im Bett verbracht, weil ich keine Energie mehr hatte.
Dann kam dieser eine Sonntag. Auf dem Sofa, mein ganzer Körper vibrierte. Und ich hörte meine innere Stimme in einer unfassbaren Deutlichkeit: „Geh! Kündige deinen Job, vergiss deine Ängste – vertrau auf dein Leben – vertrau auf deine innere Stimme!“.
Und ich?
Ich habe mich entschieden zu vertrauen. Mich zu verändern. Ich bin gegangen. Ich habe meinen Job gekündigt. Und ich habe mich entschieden, mich meinen Ängsten zu stellen.
Ja, es hat gedauert – weltbewegende Entscheidungen trifft man nicht von heute auf morgen. Aber ich hatte wundervolle Unterstützung. Ich habe mich coachen lassen. Ich habe mich entschieden, meine ganze Energie in mich selbst zu investieren – und loszugehen.
Seit 14 Monaten bin ich unterwegs. Seit 14 Monaten bereise ich die Welt. Seit 14 Monaten lebe ich im Sommer. Meine Reise hat mich auf die Philippinen, nach Papua-Neuguinea, Australien, Fiji, Aitutaki, Kroatien, New York und Griechenland geführt – mit zwei kurzen Zwischenstopps in der Schweiz. Wilde Kombi? Ja. Eine absolut wilde Kombi.
Ich habe die schönsten Sonnenauf- und -untergänge gesehen, die einsamsten Inseln mitten im Pazifik erlebt, Schildkrötenbabys in die Freiheit entlassen, meinen eigenen Fisch gefangen, gegessen – und bin mit unzähligen Meeresbewohnern getaucht.
Seit 14 Monaten lebe ich entweder in Badehose oder Sommerkleid. Meine Haut ist sonnengebräunt, mein Haar wild, die Spitzen könnten kaputter nicht sein. Ich gestalte jeden Tag, wie er mir gefällt – oder auch nicht.
Ich habe so viele wundervolle Menschen kennengelernt. Ich habe unzählige Male gelacht, geliebt und getanzt. Frei, wild, unbeschwert – und zutiefst glücklich.
Und ich habe unzählige Abende alleine verbracht. Allein zu Abend gegessen. Geweint. Mal war es die Müdigkeit des Reisens, mal das unbequeme Bett, die tropische Hitze, Sand in allen erdenklichen Körperritzen, unscharfe Messer, eklige Ungeziefer, eine Mittelohrenentzündung mitten im Nirgendwo, die Überforderung in Papua-Neuguinea, die Zweifel an mir selbst und meinem Dasein, die verdammten Abschiede von Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, die Schicksale derer, denen ich begegnet bin, die Frage, wo ich in zwei Wochen sein werde, die finanziellen Ängste – …
und manchmal war es einfach die unfassbare Stille des Alleinseins.
Und in der Stille des Alleinseins habe ich mich gefunden. Ich habe die Angi gefunden, nach der ich so verzweifelt gesucht habe. Und heute umarme ich die Welt da Draussen! Ich bin voller Ehrfurcht und Dankbarkeit für dieses Leben.
Ich habe meine Stimme gefunden. Und mein Herz.
Ich schreibe dir das nicht, weil ich denke, du sollst jetzt auch alles hinschmeissen und um die Welt reisen. (Und vielleich doch?) Ich schreibe dir das, weil ich weiss, wie es sich anfühlt, wenn das Leben nicht mehr nach dir klingt. Und weil ich dir sagen will:
Du darfst deine Geschichte neu schreiben. Du darfst Angst haben und trotzdem losgehen. Du darfst alles hinterfragen und trotzdem mutig sein.
Mutig sein, heisst nicht, keine Angst zu haben. Mut heisst, deiner inneren Stimme und deinem Herz mehr zu vertrauen als deinen Ängsten und Zweifeln.
Und wenn du gerade an einem Punkt stehst, an dem du nicht mehr kannst: Bleib stehen. Atme. Hör hin. Jetzt ist der Moment für deine Stimme. Du kannst dich jeden Tag aufs Neue für das Jetzt entscheiden.
Das Leben belohnt die Mutigen. Nicht immer sofort. Nicht immer so, wie wir denken. Aber das Leben belohnt die Mutigen mit Echtheit. Mit Freiheit. Mit Frieden. Mit Glückseligkeit. Mit unserem Leben im Jetzt. Jeden Tag.
Angela